Was ist Forró?

Der Begriff "Forró" lässt sich inhaltlich mit drei Aspekten verbinden: dem Fest, der Musik und dem Tanz.

Forró als Fest

Der Sage nach entstammt das Wort "Forró" aus der portugiesischen Aussprache des englischen "for all" - der Aufschrift von einem Schild, das am Eingang zu einem Festplatz aufgestellt war. Seriöse etymologische Untersuchen bestätigen diese Geschichte nicht. Sehr wahrscheinlich ist "Forró" eine Kurzform des afrikanischen Worts "forrobodó", mit dem die "Unordnung" und das "Getöse" auf fröhlichen Festen beschrieben wird. Beide Herleitungen machen also letztlich deutlich, dass "Forró" zentral mit dem Fest und der Gemeinschaft verbunden ist. Ein ganz wichtiges Fest ist die "Festa Junina", das Juni-Fest zu Ehren von São João (Johannes der Täufer).

Forró als Musik

Zweitens bezeichnet "Forró" einen bestimmten Musikstil, als dessen Begründer Luiz Gonzaga gilt. Dieser versuchte sich seit den 40er-Jahren als Identifikationsfigur für den Nordosten Brasiliens darzustellen. Dazu kombinierte Gonzaga regionale Besonderheiten: Er kleidete sich entsprechend, sang über das Leben im Nordosten und nutzte dabei den entsprechenden Dialekt. Insbesondere machte Gonzaga den Rhythmus "Baião" bekannt und erschuf die heute als traditionell geltende Besetzung einer Forró-Band mit Akkordeon, Zabumba (Bass-Trommel) und Triangel. Der Musik-Stil "Forró" wurde in den 50er-Jahren durch Jackson do Pandeiro etabliert, der unter diesem Begriff unterschiedliche Rhythmen vereinte: Xote, Baião, Xaxado, Forró und Arrastapé. Mitte der 90er-Jahre hat sich die Forró-Musik in zwei Richtungen aufgespalten. Unter der Bezeichnung "Forró Eletrônico" entwickelte sich eine modern inszenierte Musikbranche, die auf einen elektronischen Sound, unverholene Sexualisierung und große Bühnenshows setzte. Als Gegenbewegung entstand bei Studierenden aus São Paulo der "Forró Universitário". Er ist eine nostalgische und idealisierende Rückbesinnung auf die Zeit von Gonzaga, stand aber unter dem Einfluss von Jazz und Reggae. So ist die Musik des "Forró Universitário" heute mit seinen unterschiedlichen Rhythmen sehr abwechslungsreich. Es gibt ruhige Musik zum sonnigen Träumen, aber auch sehr schnelle Stücke, die das südamerikanische Feuer sofort spürbar machen!

Forró als Tanz

Drittens ist mit "Forró" der Tanz gemeint. Er wurde im Zusammenhang mit der Bewegung des "Forró Universitário" etabliert und durch die Tänze Samba und Tango geprägt. Der Grundschritt des Paartanzes ist leicht zu erlernen und mit nur wenigen einfachen Figuren lassen sich bereits viele schöne Kombinationen gestalten. Wie die Musik ist auch der Tanz sehr vielseitig: mal ganz gemütlich, dann wieder wild und voller Energie! Entsprechend der Intention, sich von kommerzialisierten Bühnenshows und der allgemeinen Sexualisierung des Genres abzugrenzen, ist der Forró-Tanz dabei durch einen vergleichsweise unaufgeregten Stil charakterisiert. Es geht weniger um den Ausdruck, sondern vielmehr um den Eindruck. Getanzt wird für das gemeinsame Bewegungserlebnis, nicht für ein Publikum und schon gar nicht zur Selbstdarstellung oder zur 'Partnerwerbung'. Entscheidend ist die Magie des Moments. In diesem Sinne ist Forró als Tanz eine ästhetische Praxis, in der die Sich-Bewegenden immer wieder neu davon überrascht und begeistert werden, wie sich ihre Bewegungen und die Musik miteinander verbinden.

Literatur-Empfehlung

Caldas, C. P. (2017). Die Entwicklung des Forró in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - Eine Analyse der Hybridität & Allegorisierung. Essen: Folkwang Universität der Künste.